‘Black Eden Idlewild’ Michigan
“Idlewild” oder “Black Eden Idlewild”, auch kurz “Black Eden” genannt, in Lake County im Bundesstaat Michigan, war zu Beginn des 20. Jahrhunderts für Afroamerikaner (sog. “Schwarze”) die größte und bekannteste Freizeitregion in den Vereinigten Staaten. Im Jahr 1912 kauften 4 weiße Geschäftsläute in Idlewild ca. 11 Quadratkilometer Land am gleichnamigen See*. Die vorherrschende Rassentrennung und Diskriminierung bedeutete damals, dass es Schwarzen nicht erlaubt war Hotels, Restaurants oder Campingplätzen – die der weißen Bevölkerung vorbehalten waren – zu betreten. Die 4 Geschäftsleute erkannten in der Zurverfügungstellung einer Freizeitregion speziell für Schwarze ein erfolgversprechendes Geschäftsmodell. Hier lebte der unterdrückte Teil des nordamerikanischen Kontinents den amerikanischen Traum vom Land- und Hausbesitz und der Freizeitvergnügungen. Es ist eine Geschichte vom sozialen Aufstieg der schwarzen Mittelklasse unter den stark eingeschränkten Bedingungen der Rassentrennung.
Die Idlewild Resort Company verkaufte einen Teil des Landes als parzellierte Grundstücke an wohlhabende Schwarze. Weil man sich ohne Grundkapital nicht einkaufen konnte, war Idlewild trotz seines Bretterbuden-Charmes anfangs ein elitärer Ort der Sommerfrische. Das “Who’s who” schwarzer Schriftsteller, Unternehmer oder Musiker kaufte Land in Idlewild. Der Boxer Joe Louis trainierte dort. Die ansässigen Nachtclubs präsentierten nationale und internationale Unterhaltungsstars wie Sammy Davis Jr., The Four Tops, Della Reese, Aretha Franklin oder Louis Armstrong.
Der The Civil Rights Act erklärte im Jahr 1964 die Rassentrennung für illegal und schwarze Amerikaner konnten nun formell überall ihre Sommerfrische verbringen oder als Entertainer auftreten. Die Anzahl der Urlaubssuchenden und der das ganze Jahr in Idlewild Lebenden sank nun stetig. Kürzlich haben pensionierte Bürger, die einen Teil ihrer Jugend in Idlewild verbrachten, begonnen den historischen Charakter zu erhalten. Der Bundesstaat Michigan hat diesbezüglich eine Initiative mit einem Revitalisierungskonzept (PDF-Download, engl.) gestartet.
Kurzer historischer Abriß über “Black Eden Idlewild”:
- 1884: 25 Sägemühlen mit über 1.200 Beschäftigten existierten in Lake County
- 1912: Gründung der Idlewild Resort Company
- 1915: Mrs. Helen Buckles und ihr Ehemann kaufen das erste angebotene Grundstück
- 1919-1945: Errichtung der meisten Gebäude
- 1964: Erlassung des Civil Rights Act
- 1979: Idlewild wird im National Register of Historic Places aufgenommen
* Ein lokales Volkslied gibt für den Ortsnamen “Idlewild” folgenden Hinweis “Idle men and wild women”…
16. März 2011 Kommentar hinterlassen
Ambrotypievariante: Pannotypie
Bei der Pannotypie handelt es sich um ein im Nassen Kollodiumverfahren erzeugtes positives Kollodiumbild auf dunklem, gewachsten Leinenstoff oder dunklem Leder. Patentiert wurde das Verfahren im Jahr 1853 vom französischen Unternehmen Wulff & Co.
Ausgangspunkt des ungewöhnlichen Übertragungsprozesses war eine Ambrotypie, also ein negatives Kollodiumbild auf einer Glasplatte. Die Kollodiumschicht konnte durch Säurebäder vom Glasträger abgelöst und auf einen neuen Träger – dunkle Textilien oder dunkles Leder – übertragen werden. Pannotypien waren Ende der 1850er Jahre verbreitet, wurden aber Anfang der 1860er Jahre von Ferrotypien und Albuminabzügen verdrängt.
Aufgrund der schlechten Haltbarkeit durch die Kombination von spröder Emulsion und flexiblem Trägermaterial zählen Pannotypien heute zu raren fotografischen Objekten. In den meisten Fällen findet man Pannotypien heute lose vor. Ab und zu sind sie verglast oder mit Passepartouts versehen, die mit Prägeornamenten verziert sind.
Quelle: Gabriele Hofer, Fokussiert – Frühe Fotografien aus dem Nordico-Museum der Stadt Linz, Seite 200
Pannotypie (Linotypie), photographisches Verfahren, das unmittelbar positive Bilder, und zwar auf einer Unterlage von schwarzer Wachsleinwand (latein. pannus = Tuch), ergibt. Die Methode beruht darauf, daß man mittels des nassen Kollodiumverfahrens (s. Photographie) in der Kamera und mit denselben Manipulationen bei der Vorpräparation, der Entwicklung, Fixage u.s.w., wie sie sonst bei Herstellung eines Glasnegativs vorgenommen werden, ein Negativ auf schwarzer Wachsleinwand erzeugt. Dadurch erscheint das Negativ aber als Positiv, weil das weißliche Silbermetall des negativen Bildes die schwarze Unterlage deckt, daher die Weißen des Originals wiedergibt, während an den transparenten Stellen des Negativhäutchens der schwarze Grund zur Geltung gelangt und so die Schwärzen des Originals reproduziert. Man kann auch von einem Glasnegativ das Kollodiumhäutchen durch Baden in verdünnter Säure (Schwefelsäure 1 : 20, Essigsäure 1 : 6, sehr verdünnte warme Salpetersäure) abziehen und dann erst auf die Wachsleinwand übertragen. Die Pannotypie wurde von Wulff & Co. in Paris angegeben. Kloen und Jones benutzten schwarzes Papiermaché, andre Papier, Leder, Blech u.s.w. (Vgl. Eder, Ausf. Handb. d. Photogr., 2. Teil, Halle a. S. 1897;).
Historischer Lexikoneintrag in: Otto Lueger, Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 6, Stuttgart und Leipzig 1908, Seite 796, via Zeno.org
“Ende April des Jahres 1858 unterbrach Durheim seine Tätigkeit für drei Wochen, um ins Ausland zu reisen; wiederum war er in Paris, um Neues zu sehen und das Notwendige einzukaufen. Im Juni des gleichen Jahres bot er Porträts auf Wachstuch an, welche ohne Fassung aufbewahrt werden können, und keine Nachbesserungen bedürfen; sie werden am gleichen Tat der Aufnahme geliefert. Die Frucht der Reise war also die Herstellung von Pannotypien, die zuerst im Jahr 1853 aufgetaucht waren und kaum zehn Jahre lang hergestellt wurden. Im Gegensatz zu Daguerreotypien oder Glasbildern konnte man diese Lichtbilder dem Besteller ohne Glasschutz (Fassung) ausliefern.”
Zeitzeugnis in: Erich Stenger, Die beginnende Photographie im Spiegel von Tageszeitungen und Tagebüchern, Kapitel: Der Beruf wird bodenständig 1845-1862. Carl Durheim in Bern 1845-1874, 2. Auflage, Würzburg 1943, Seite 69f
5. März 2011 Kommentar hinterlassen
IBM blickt auf 100 Jahre Firmengeschichte zurück
“And we must study through reading, listening, discussing, observing and thinking. We must not neglect any one of those ways of study. The trouble with most of us is that we fall down on the latter — thinking — because it’s hard work for people to think. And, as Dr. Nicholas Murray Butler said recently, ‘all of the problems of the world could be settled easily if men were only willing to think.’ ” Thomas Watson (1874-1956), Begründer des “THINK”-Motto, History of IBM (engl.)
4. Februar 2011 Kommentar hinterlassen
Lehmann’s Allgemeiner Wohnungs-Anzeiger
Das Bestreben, alles messbar und zählbar zu machen, kennzeichnet das Zeitalter der Aufklärung, und erfasste bald auch Mensch und Gesellschaft. Im Jahr 1770 nahm die Wiener Stadtverwaltung den ersten Anlauf, Häuser zu nummerieren, erklärt Anton Tantner vom Institut für Geschichte an der Universität Wien: “Es gab damals eine Kommission, die aus fünf bis sechs Leuten bestanden hat und von Haus zu Haus gegangen ist. Sie haben die in den Häusern lebenden Menschen in Formulare und Tabellen eingetragen und auf jedes Haus eine Nummer eingetragen.”
Zweck der Übung war ursprünglich, die Rekrutierung von Männern zum Habsburgischen Militär zu erleichtern. Bald nutzte man die Informationen freilich auch zur einfacheren Besteuerung der Bürger oder zur Bekämpfung von Bettlern. Adressbücher und Karten fanden bald zunehmende Verbreitung, und das Meldewesen wurde eingeführt. Mit dem rasanten Wachstum Wiens im 19. Jahrhundert wurden auch die Methoden der Datenerfassung verfeinert. 1859 erschien erstmals “Lehmann’s Allgemeiner Wohnungs-Anzeiger”, der ein Personen- und Branchenverzeichnis enthielt.
Jeder konnte sich umfassend über seine Nachbarn informieren oder bestimmte Personen suchen, erklärt Alfred Pfoser, Leiter der Druckschriftensammlung und stellvertretender Direktor der Wienbibliothek im Rathaus: “Der Lehmann ist ein bürgerliches Projekt. Da ging’s darum, dass sich die bürgerliche Gesellschaft Übersicht verschafft, Orientierung darüber bekommt, was in der Stadt los ist, welche Behörden es gibt – und Übersicht, welche Firmen und Branchen es in der Stadt gibt.”
Seit mit der Aufzeichnung von Daten über die Bevölkerung begonnen wurde, ist auch das Thema Datenschutz aktuell. Das Misstrauen gegen den Lehmann war groß: In Zeiten des Absolutismus sahen viele darin ein Projekt des autoritären Staates, und auch später war das allgemein zugängliche Verzeichnis ein Stein des Anstoßes. “Karl Kraus hat darauf bestanden, dass er aus dem Lehmann-Adressbuch gelöscht wird, weil er seine Eintragung als indezent gesehen hat mit unglaublichen Folgen: Jeder konnte ihm Prospekte und Briefe schicken. Um sich davor zu schützen, hat er darauf bestanden, dass er im Lehmann gelöscht wird”, erzählt Alfred Pfoser.
Auch über die Jahre 1938 bis zu seiner Einstellung 1942 informiert der Lehmann, der seit Jänner 2011 im Web kostenlos abrufbar ist. So lässt sich etwa recherchieren, wer bis zur Machtübernahme der Nationalsozialisten an einer bestimmten Wiener Adresse gewohnt hat und von dort möglicherweise vertrieben oder verschleppt wurde, erklärt Alfred Pfoser: “65 Prozent aller Ärzte wurde die Lizenz zum Ordinieren entzogen. Wie hat eine Stadt so funktionieren können? Es tauchen Vermutungen auf, dass das eigentlich ein unglaubliches Chaos war.” oe1.ORF.at & science.orf.at
29. Januar 2011 Kommentar hinterlassen
Rechnungshof Einkommensbericht 2010
Insgesamt gab es in Österreich im Jahr 2009 laut Lohnsteuerdaten und Daten des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger 3.990.888 unselbständig Erwerbstätige. Diese erzielten 2009 ein mittleres Bruttojahreseinkommen von 23.602 Euro. Werden Lehrlinge aus der Berechnung herausgenommen, erhöht sich der Wert auf 24.449 Euro. Die niedrigsten Einkommen sind, abgesehen von der Gruppe der Lehrlinge, bei ArbeiterInnen zu finden: Im Mittel erzielten sie 2009 ein Bruttojahreseinkommen von 17.874 Euro. Die höchsten mittleren Einkommen verzeichneten BeamtInnen mit einem Medianeinkommen von 47.848 Euro.
Frauen verdienen nach wie vor und in allen Beschäftigtengruppen deutlich weniger als Männer. 2009 betrug das mittlere Einkommen von Frauen (inkl. Lehrlinge) 60% des mittleren Männereinkommens. Allerdings ist der Einkommensnachteil je nach sozialer Stellung unterschiedlich stark ausgeprägt. Im öffentlichen Bereich fällt er schwächer aus als in der Privatwirtschaft. Unter BeamtInnen verdienen Frauen 93% des mittleren Männereinkommens, unter Vertragsbediensteten 77%. Dagegen kommen weibliche Angestellte auf 50% der mittleren Männerverdienste, Arbeiterinnen gar nur auf 44%. Ein Teil der Einkommensdifferenzen zwischen den Geschlechtern lässt sich auf Teilzeitarbeit zurückführen. Aber auch wenn nur ganzjährig Vollzeitbeschäftigte verglichen werden, erreicht der Median der Bruttojahreseinkommen von Frauen nur 81% des mittleren Männereinkommens.
Eine Analyse der zeitlichen Entwicklung der Einkommen zeigt, dass seit 1998 die mittleren Einkommen der unselbständig Erwerbstätigen inflationsbereinigt leicht gesunken sind. Während die Einkommen von ArbeiterInnen 2009 nur mehr 91% des Einkommens des Jahres 1998 betrugen, erzielten BeamtInnen in diesem Zeitraum eine Steigerung ihrer mittleren Einkommen um 26%. Männer mit niedrigen Einkommen mussten die größten Einkommenseinbußen hinnehmen. Ihre inflationsbereinigten Einkommen betrugen im Jahr 2009 82% des Wertes von 1998. Für die letzten beiden Jahre wird deutlich, dass die hohe jährliche nominale Zuwachsrate, die 2007 noch 3,41% betrug, nicht beibehalten werden konnte. Sie ging 2008 auf 2,66% zurück und sank 2009 auf 0,77%. Die inflationsbereinigten Wachstumsraten entwickelten sich anders, da die Preissteigerung ebenfalls 2009 drastisch zurückging. Nach einem Absinken des inflationsbereinigten mittleren Einkommens im Jahr 2008 konnte 2009 wieder eine minimale Verbesserung um 0,05% verzeichnet werden.
Quelle: Bericht des Rechnungshofes (PDF-Download) über die durchschnittlichen Einkommen der gesamten Bevölkerung für die Jahre 2008 und 2009
7. Januar 2011 Kommentar hinterlassen
Anträge auf Invaliditätspension steigen stetig
Immer mehr ÖsterreicherInnen gehen laut einem Bericht von DiePresse.com als Folge psychischer Erkrankungen wie beispielsweise Burnout-Syndrom vorzeitig in Invaliditätspension. Betroffen sind besonders Frauen. Insgesamt mussten im Vorjahr rund 30.000 Menschen aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig den Ruhestand antreten. Immerhin ein knappes Drittel der Invaliditätspensionen (30,4 Prozent) entfällt bereits auf psychische Krankheiten. Bei Frauen lag der Anteil jener, die wegen psychischer Probleme die Invaliditätspension antreten, im vergangenen Jahr bei 41,7 Prozent.
Damit hält der seit einigen Jahren erkennbare Trend weiter an. Bei Frauen hat sich der Anteil seit dem Jahr 1995 fast verdreifacht. Bei den weiblichen Angestellten, die wegen psychischer Krankheiten in Invaliditätspension gehen, wurde im Vorjahr mit einer Rate von 50,8 Prozent ein neuer Höchstwert erreicht. Diese Zahlen basieren auf dem neuen Sozialbericht 2009-10 (PDF-Download) des BMASK.
Insgesamt steigt die Gesamtzahl an InvaliditätspensionistInnen stetig an. Sie liegt mittlerweile bei rund 466.000 Personen. Das ist etwa ein Fünftel aller 2,1 Millionen PensionsbezieherInnen (ASVG, Bauern, Gewerbetreibende). Dabei ist der Andrang noch viel stärker. Denn es wird schon jetzt die Mehrzahl der rund 70.000 gestellten Anträge auf Invaliditätspension abgelehnt. So lag die Anerkennungsquote im Vorjahr für Männer und Frauen zusammengerechnet bei 41,6 Prozent.
Im Durchschnitt liegt das Antrittsalter bei den Invaliditätspensionen bei Männern bei 53,6 Jahren und bei Frauen bei 50,2 Jahren. In Fällen, in denen die Zuerkennung wegen psychischer Krankheiten begründet war, erfolgte der Antritt der Invaliditätspensionen noch früher: Bei Männern mit 48,9 Jahren, bei Frauen 47,6 Jahren. Die ausbezahlten Brutto-Invaliditätspensionen liegen im Schnitt deutlich unter den regulären Alterspensionen. Frauen erhielten von der Pensionsversicherung im Vorjahr durchschnittlich 671 Euro Invaliditätspension, Männer 1.021 Euro. Zum Vergleich: Bei den Alterspensionen waren es 962 Euro für Frauen und 1.567 Euro für Männer.
28. Dezember 2010 Kommentar hinterlassen