Papyrusfragment P52, NT

Die Abfassungszeit der insgesamt 27 Schriften, die im Neuen Testament zusammengefaßt sind, liegt nach Meinung der meisten Experten in der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts bis zur ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts. Die frühesten Schriften des Neuen Testaments sind die Briefe des Paulus, die etwa zwischen 50 und 60 n. Chr. verfaßt worden sind. Nach allgemeiner Auffassung ist das Markus-Evangelium das älteste der vier kanonischen Evangelien; es wurde etwa 70 n. Chr. verfasst. Auf Markus folgt zeitlich gesehen die Abfassung des Matthäus-Evangeliums in der Zeit zwischen 70 und 80 n. Chr.. Das Lukas-Evangelium wurde zwischen 80 und 90 n. Chr. verfasst und das Johannes-Evangelium etwa 95-100 n. Chr. Die spätesten Texte des Neuen Testament sind der 2. Petrusbrief (120-130 n. Chr.) sowie die Apokalypse (Offenbarung des Johannes). Wie PD Dr. theol. Thomas Witulski aus Münster glaubhaft nachweist, ist die letzte Schrift des Neuen Testaments in die Zeit Kaiser Hadrians zu datieren; in die Zeit um 132 n. Chr. (Basiswissen Christentum).

Dass die Zeitspanne zwischen Abfassung der Evangelien und den frühesten erhalten Belegen erstaunlich gering ist, zeigt das bislang älteste erhaltene Fragment des Neuen Testaments. Es handelt sich dabei wahrscheinlich um eine der (oder sogar die) allerersten Abschriften des Johannes-Evangeliums. Das Papyrusfragment P52 selbst ist in griechisch beschrieben und enthält auf beiden Seiten je 7 Zeilen über das Verhör und die Verurteilung durch Pilatus Joh 18,31-33/37-38. Es ist auf beiden Seiten beschrieben, daher nicht Teil einer Schriftrolle, sondern eines Codex. Im Jahr 1920 hatte Bernhard P. Grenfell dieses nicht einmal handtellergroße Bruchstück einer Papyrushandschrift in Ägypten erworben und mit nach England gebracht. Erst sein Nachfolger Collin H. Roberts untersuchte 1934 das 6 mal 9 cm große Stück eingehender, das heute in Manchester, in der The John Rylands University Library (Bildquelle) aufbewahrt wird.

Als man den Text dieses Papyrus untersuchte, stellte man fest, dass er mit dem aus dem Mittelalter überlieferten Text genau übereinstimmt. Nach altkirchlicher Überlieferung wurde das Johannes-Evangelium um 95 n. Chr. veröffentlicht. Das Papyrusfragment P52 belegt eine Abschrift des Johannes-Evangeliums für den Zeitraum von 100-120 n. Chr. Wenn man den frühesten Zeitpunkt für die Handschrift annimmt, haben wir es hier mit einer der allerersten Abschriften des Johannes-Evangeliums zu tun. Im Idealfall ist die Abschrift nur wenige Jahre vom Original entfernt. Es gibt Wissenschaftler, die glauben, andere Papyri noch älter datieren zu können, doch die Mehrheit der Forscher stimmt diesen Frühdatierungen (Jesuspapyrus P64 und Markusfragment aus Qumran 7Q5) nicht zu. Alexander Schick, Handschriftenfunde zur Bibel

Weiterführendes: Einführung in das Johannes-Evangelium und Historizität des Neuen Testaments

Nachtrag vom 8. Mai 2008:
Beim Codex Sinaiticus handelt es sich um die älteste erhalten gebliebene Handschrift der (Voll-)Bibel. Er entstand in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts n. Chr. und enthält das gesamte Neue Testament. Vom Alten Testament ist ungefähr die Hälfte verloren gegangen. Der Codex Sinaiticus gehört zusammen mit dem Codex Vaticanus, von dem er sich nur unwesentlich unterscheidet, zu den bedeutendsten erhaltenen Bibelmanuskripten überhaupt.

Der gesamte erhaltene Bestand des Codex Sinaiticus umfasst 407 Blätter. Davon befinden sich 43 Blätter seit 1844 in der Universitätsbibliothek Leipzig, 347 Blätter seit 1933 in der British Library, 5 Fragmente in der Russischen Nationalbibliothek in St. Petersburg und 12 fragmentarische Blätter und 14 kleinere Fragmente am ursprünglichen Standort im Katharinen-Kloster auf dem Sinai. In Kooperation mit den anderen Institutionen wird eine virtuelle Präsentation aller erhaltenenen Blätter des Codex Sinaiticus Codex Sinaiticus schrittweise realisiert.

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15. Februar 2008

2 responses to Papyrusfragment P52, NT

  1. Guten Tag,

    Ich möchte gerne den Bereich”Historische Glaubwürdigkeit des Neuen Testamentes (NT)” http://www.mc-rall.de/histnt.htm auf meinem Blog http://www.fundstuecke.at/2008/02/15/papyrusfragment-p52/ verlinken.

    Können Sie mir bitte die Quelle dieser Zusammenfassung nennen, da ich bestrebt bin einigermaßen richtige Zitierangaben zu machen. Leider habe ich keinen Verfasser entdeckt, oder habe ich ihn überlesen? Haben Sie selbst diese Zusammenstellung verfaßt?

  2. Christoph Rall said:

    ich habe diese Seite selbst geschrieben (und damit auch die Zusammenfassung (den Index meinen sie doch?) ich bin Hobbytheologe ;-)).
    Wenn es Zitate waren, dann habe ich sie auch so angegeben. Sie dürfen gerne auf meine Seite verlinken bzw. übernehmen davon was sie wollen.
    Umsonst habt ihr es empfangen, umsonst gebt es auch weiter!

    Lieben Gruß,
    Christoph Rall

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