Michel de Montaigne (1533-1592)

“Jedem kann es passieren, dass er mal Unsinn redet, schlimm wird es erst, wenn er es feierlich tut.” Michel de Montaigne

“Bin ich zu Hause, so kehre ich oft in meine Bibliothek ein, von der aus ich auch einen Überblick über Haus und Hof habe. Stehe ich auf der Schwelle, so sehe ich unter mir meinen Garten, meinen Wirtschaftshof, meine Hof und die meisten Gebäude meines Anwesens. Da blättere ich bald in diesem Buch, bald in jenem, ohne Plan und Methode, ohne allen Zusammenhang. Bald sinne ich nach, bald mache ich Auszüge und diktiere im Auf- und Abgehen meine Träumereien. Meine Bibliothek ist im dritten Stockwerk eines Turms. Im ersten Stock ist meine Kapelle, im zweiten ein Wohnzimmer mit Nebenräumen, wo ich mich oft niederlege, um für mich zu sein. In früheren Zeiten war das Bibliothekszimmer der Raum im Hause, den man am wenigsten benützte. Ich bringe daselbst die meisten Tage meines Lebens und die meisten Stunden des Tages zu.” Ein freier Mensch

Michel de Montaigne war Philosoph und Begründer der Essayistik. Sohn eines katholischen Franzosen und einer dem sephardischen Judentum entstammenden Mutter, wurde er 1557, nach dem Studium der Rechtswissenschaften, Parlamentsrat und später Bürgermeister von Bordeaux. 1570, zwei Jahre nach dem Tod seines Vaters, gab er alle Ämter auf, zog sich auf sein Schloss Montaigne in der Nähe von Libourne zurück und begann mit der Niederschrift seines Hauptwerks, den Essais. Bilderquelle: Pèlerin.info (frz.)

Mit dem Begriff “Essai”, zu Deutsch “Versuch”, distanzierte sich Michel de Montaigne bewusst von der Wissenschaft. Seine Versuche sind vielmehr von subjektiver Erfahrung und Reflexion geprägte Erörterungen. Stoische Geringschätzung von Äußerlichkeiten, Kritik am Wissenschaftsaberglauben und an der menschlichen Überheblichkeit gegenüber anderen Geschöpfen, sowie die Skepsis gegenüber jeglichen Dogmen kennzeichnen seine Essais, in denen er sich mit alltäglichen, gesellschaftlichen sowie moralischen Themen auseinandersetzt.

Die folgenden Hörbeispiele aus Montaigne’s Essais stammen von Vorleser.net:

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Michel de Montaigne, Von dem Müßiggange (Dauer 2:23 min)

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Michel de Montaigne, Von dem Alter (Dauer 8:18 min)

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Michel de Montaigne, Von der Furcht (Dauer 8:01 min)

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Michel de Montaigne, Von dem Demokrit und Heraklit (Dauer 11:16 min)

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20. Juni 2006

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