Judas-Evangelium vorgestellt
Das “Judas-Evangelium” ist seit Jahren Thema von theologischen Verschwörungstheorien und Debatten. Heute wurde die Übersetzung des sagenumwobenen Textes veröffentlicht. Doch für eine Sensation halten Experten das Dokument nicht. Die Evangelien des Johannes, Matthäus, Markus und Lukas waren nur vier von zahlreichen anderen Evangelien, die zur damaligen Zeit kursierten; sogenannte apokryphe Evangelien. Zu diesen alten Schriften gehörte auch das “Judas-Evangelium”, das ein neues Licht auf das frühe Christentum wirft, welches noch weit entfernt war von der Dogmatik, die die christliche Großkirche und die ökumenischen Konzilien seit Kaiser Konstantin (280-337) formten.
Beim “Judas-Evangelium” handelt es sich nicht um einen von Judas selbst geschriebenen Text, sondern um ein Beispiel für “Pseudoepigraphie” (Falschzuschreibung). Die 13 Seiten Papyrus in koptischer Sprache erlauben daher keine Rückschlüsse auf seine Sicht der Dinge. Formal handelt es sich um ein Gespräch, das Jesus und Judas führen und an dessen Ende Judas Jesus verrät und seinen Feinden übergibt. Es wird angenommen, daß dieser Text um 150 n. Chr. von einem unbekannten Christen in Mittelägypten verfaßt wurde. Die jetzt präsentierte Fassung dürfte aufgrund paläographischer Untersuchungen in die Spätantike ab 300 zu datieren sein. WELT.de
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6. April 2006