Kommunikationsquadrat
Der Kommunikationspsychologe Paul Watzlawick hat klargestellt, dass jede Kommunikation, jede Mitteilung an einen anderen Menschen verschiedene Aspekte enthält. Der Hamburger Psychologie Professor Friedemann Schulz von Thun hat diesen Ansatz in dem Modell der “Vier Seiten einer Nachricht” weiter aufgeschlüsselt. Kommunikationspsychologische Erkenntnisse dienen zwar Therapeuten als Instrumente, sie gehören jedoch nicht in die Geheimfächer der Psychologie, sondern in die Hand von jedermann. Als Brücke zwischen Wissenschaft und Lebenswelt sind die 3 Bände “Miteinander Reden” (Bildquelle) verständlich geschrieben und mit vielen Beispielen, Abbildungen und Übungen versehen.
Manches kann schiefgehen, wenn wir “Miteinander Reden”. Geglückte Kommunikation hängt nicht nur vom guten Willen ab, sondern auch von den Fähigkeiten zu durchschauen, welche Vorgänge im Hintergrund wirken. Das Kommunikationsquadrat ist das bekannteste und inzwischen auch am weitesten verbreitete Modell von Friedemann Schulz von Thun. Wenn jemand etwas von sich gibt, dann enthält seine Mitteilung vier bedeutsame Elemente: Selbstoffenbarung, Sachinhalt, Appell und Beziehungshinweis. Die inhaltliche Komponente ist nur ein Teil der Gesamtbotschaft! Dieses Modell ist heute als Erklärungsmodell für Kommunikation allgemein akzeptiert und findet insbesondere bei der Klärung von beruflichen Konflikten, wo das Sachliche und das Persönliche ständig miteinander vermischt werden, Anwendung.

Beispiel einer Gesprächssituation: Eine Mutter sagt zu ihrem Sohn “Du kannst ruhig mal wieder dein Zimmer aufräumen.” Der Sachaspekt lautet “Das Zimmer ist unordentlichem Zustand.” Die Selbstoffenbarung lautet “Ich bin ein Mensch, der Ordnung für wichtig hält.” Oder, dass sie ärgerlich auf ihn ist. Auf der Beziehungsebene drückt die Mutter aus, dass sie den Sohn nicht für so selbständig hält, selbst für Ordnung in seinem Zimmer zu sorgen. Der Appell ist “Räum auf!”. Er könnte aber auch bedeuten “Sieh, was für eine fürsorgliche Mutter ich bin.” Detailliertere Erläuterung bei der Universität Oldenburg – Kommunikations- und Konflikttraining.
Wenn die Nachricht anders ankommt als sie gemeint war, liegt es daran, dass der Sender (Vier-Kanäle) und der Empfänger (Vier-Ohren) den vier Aspekten einer Mitteilung unterschiedliche Bedeutung beimessen. Ein bewährter Lösungsansatz ist die Metakommunikation: Sender und Empfänger machen die Art, wie sie miteinander umgehen, zum Gegenstand des Gespräches. Damit bei dieser Metakommunikation nicht die gleichen Kommunikationsfehler gemacht werden, bewährt es sich, einen außenstehenden Komminikationshelfer (z.B. Supervisor) einzubeziehen.
Verwandte Artikel:
29. Dezember 2005